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[29c3] Bericht

Wie jedes Jahr traff sich auch heuer wieder zwischen Weihnachten und Silvester (27.12. bis 30.12.) die internationale Hacker-Szene auf der mittlerweile 29. Ausgabe des Chaos Communication Congress (C3) veranstaltet vom Chaos Computer Club (CCC). Dieser fand nicht wie die letzten Jahre in Berlin statt, sondern im Congress Center Hamburg (CCH) welches mehr Platz bietet. So wurden diesmal bereits im Vorverkauf mehr Karten verkauft als der Congress im Vorjahr Besucher hatte.

29C3 - Not my Department

Wie jedes Jahr traff sich auch heuer wieder zwischen Weihnachten und Silvester (27.12. bis 30.12.) die internationale Hacker-Szene auf der mittlerweile 29. Ausgabe des Chaos Communication Congress (C3) veranstaltet vom Chaos Computer Club (CCC). Dieser fand nicht wie die letzten Jahre in Berlin statt, sondern im Congress Center Hamburg (CCH) welches mehr Platz bietet. So wurden diesmal bereits im Vorverkauf mehr Karten verkauft als der Congress im Vorjahr Besucher hatte.

Was ist der C3?

Am Besten ist der C3 wohl als eine Mischung aus Festival und Konferenz beschrieben. Er beginnt mit Anstellen in einer immer länger werdenden Schlange, damit man sein Armband bekommt und vor dem Eingang sieht man die ersten leeren Bierflaschen stehen. Im Unterschied zu einem Festival basiert der Congress allerdings rein auf Freiwilligenarbeit. So gab es allein direkt auf der Veranstaltung über 500 Personen, die über 5000h arbeiteten um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Dabei kümmerten sich sich um Dinge wie Netzwerk, Gesundheit der Teilnehmer, Garderobe, die Liveübersetzung der deutschsprachigen Vorträge oder auch das eigene GSM-Netzwerk.

In reinen Zahlen ausgedrückt über 6600 Personen und ein Stormtrooper, die 23.000 Flaschen Mate trinken und somit inklusive Bier (13.000 Flaschen) und anderen Getränken (11.000 Flaschen) einen ca. 35km hohen Turm aus Leergut bauen könnten. Die verbrauchte Flüssigkeit hatte ein gesamtes Volumen von 20m_, was zirka 1/6 Blauwal entspricht. Der eigentliche Hintergedanke ist jedoch der Wissensaustausch. So fanden dieses Jahr 108 Talks, 71 Lightning Talks und 104 Workshops zu unterschiedlichen Themen statt. Da es nicht jedem Möglich ist vor Ort zu sein wurden die Talks auch per Stream in die ganze Welt übertragen. Zu Spitzenzeiten gab es also zusätzlich zu den Besuchern noch über 7500 Zuschauer. Für alle die sich die Vorträge live nicht anschauen konnten sind auch Aufzeichnungen von 95 Talks online verfügbar.

Die Vorträge fanden in 3 Sälen statt. Der größte bot Platz für 3.000 Zuhörer und wirkte trotz vieler Besucher oft nur sehr spärlich gefüllt. Der Kleinste stieß hingegen mehrmals an seine Kapazitätsgrenze von 382 Sitzplätzen. Mit den Stehplätzen in der letzten Reihe konnten ungefähr 400 Personen die Talks live miterleben, den Abgewiesenen blieb oft nur die Möglichkeit über den Stream dabei zu sein.

Nicht meine Zuständigkeit

Wie jedes Jahr stand der C3 auch diesmal unter einem bestimmten Thema: "Not my Department". Inspiriert von Tom Lehrers Liedtext über Wernher von Braun war der Hintergrund der diesjährigen Veranstaltung die Verantwortung von Technikern für den Einsatz ihrer Entwicklungen. Schon in der Keynote von Jacob Appelbaum wurden die Anwesenden immer wieder darauf hingewiesen wie diese direkt mit Menschenrechtsverstößen in Verbindung stehen. Als aktuelles Beispiel wurden Bauarbeiten von Rechenzentren der National Security Agency (NSA), welche dazu dienen die Kommunikation der gesamten Weltbevölkerung abzuhören, zu analysieren und für mindestens 100 Jahre zu speichern gezeigt.

Es wurden aber auch Gegenbeispiele aufgezeigt und erklärt wie man sich positiv an der Entwicklung der Gesellschaft beteiligen kann. Schließlich entscheidet jeder selbst für wen und an welchen Projekten er arbeitet. Als Beispiel hierfür wurde auch das TOR-Projekt genannt, in dem Software zur Umgehung von Zensurmaßnahmen erforscht und entwickelt wird. Es wurde allerdings auch vor der Repression gewarnt, welche man durch offenen Kampf gegen repressive Systeme erwarten kann. Der Vortragende musste selbst schon mehrmals darunter leiden.

Auch der restliche Congress war geprägt von gesellschaftspolitischen Vorträgen. Angefangen bei manipulative Sprache in den Medien, über staatliche Fehltritte bis hin zu Gender Studies und rechtlichen Hintergrundinformationen. Fast schon traditionell erklärten Kai Biermann und Martin Haase von neusprech.org Formulierungen der Medien und Politiker, die den eigentlich Tatbestand verschleiern sollen. Die Verfehlungen des deutschen Verfassungsschutzes bekamen gleich mehrere Vorträge gewidmet. So wurden zum Beispiel der Staatstrojaner oder das V-Leute-System durchleuchtet und auch darauf hingewiesen wie schnell der Kampf für die Verfassung als staatsfeindlich gewertet werden kann. Auch eine alternative zu aktuellen Rechteverwaltungsgesellschaften wurde vorgestellt und diskutiert.

Doch auch die technischen Vorträge kamen nicht zu kurz. Wie für eine Hackerkonferenz üblich drehten sich die meisten um die Themen Security und Überwachung. Hier reichte die Spannweite von der Sicherheit von Autos bis zum Zusammenhang von Accessibility und Security.

An den Abenden gab es dann Spieleshows wie Bilderrätsel und das Hacker Jeopardy. Wieder dabei war auch der Fnord-Jahresrückblick der einen satirischen Rückblick auf Events des vergangenen Jahres inklusive diverser Preisverleihungen in Kategorien wie zum Beispiel dem "Magggie Thatcher Award für nachhaltige Infrastrukturvernichtung". Es war auch schön zu sehen, dass auch bekannte Hacker an einfach Dingen wie Beamern scheitern können.

Daneben gab es noch die bereits erwähnten Lightning Talks bei dem jeder die Möglichkeit hatte sein eigenes Projekt oder auch Seine eigene Projektidee zu präsentieren. Gab es zu Beginn der Veranstaltung noch bedenken der Organisatoren nicht genug Teilnehmer finden zu können, so konnten doch alle Slots für diese Kurzpräsentationen vergeben werden.

Den Abschluss bildete das traditionelle Closing Event, bei dem die Statistiken der vorangegangen Tage präsentiert wurden. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Zahlen gab es unter anderem noch Informationen über das Netzwerk, das GSM-Netz oder aufgetretene Verletzungen. Anders als in den letzten Jahren wurden danach nicht gemeinschaftlich die Sessel aus dem Raum getragen, da anders als in Berlin die Sessel im CCH fest verschraubt waren.

Abseits der Vorträge

Zusätzlich gab es noch 96 Assemblies. Dies sind Projekte von Hackergruppen wie zum Beispiel selbst gebaute LED-Displays, Quadcopter oder aufwändige Lichtinstallationen. Auch eine selbst gebaute Zuckerwatte-Maschine, die sich großer Beliebtheit erfreute, gab es. Da man nicht nur Computer hacken kann waren auch andere Gruppen wie zum Beispiel der Lock Picking Sport vertreten und zeigte Interessierten wie leicht manche Schlösser und Schließmechanismen mit einfachen Mitteln geöffnet werden konnten. Hierfür standen 3000 Sessel, einige hundert Tische und 100 Sofas zur Verfügung, wobei eine Umfrage unter den Teilnehmern des Closing Events ergab dass fast alle der Meinung waren es sollte im nächsten Jahr mehr Sofas geben.

Ganz im Sinne des Gedankes der freien Information gaben alle Projektbeteiligten, nicht ohne Stolz, bereitwillig Antworten auf alle Fragen. Sie waren allerdings auch offen für Verbesserungsvorschläge. Vor allem für Open-Source-Softwareprojekte wurde auch einige neue freiwillige Mitarbeiter gefunden. Für alle Interessierten gab es auch Rund um die Uhr die Möglichkeit Löten zu lernen. Dafür gab es auch einige Bausätze zu kaufen.

Zusätzlich zu Tischen für Projekte gab es auch als "Shared" gekennzeichnete Tische. Diese konnten von allen Teilnehmern verwendet werden und waren vor allem zum Strom tanken sehr beliebt. Anwesende ohne Laptop waren ganz klar eine Minderheit, wie auch die zugänglichen Steckdosen. Diese Punkte waren also auch eine sehr gute Möglichkeit zum Austausch mit Leuten. So entstanden hier sehr interessante Gespräche mit Leuten die nur zufällig nebeneinander saßen und eigentlich nur auf der suche nach Strom für den Laptop waren.

Für die Besucher, die es gerne etwas lauter haben, gab es ein Partyzelt, das an das CCH angeschlossen wurde. Neben Musik und alkoholischen Getränken bot das Zelt auch den einzigen Innenraum an dem das Rauchen erlaubt war. Im obersten Stockwerk gab es zusätzlich eine Cocktailbar die etwas leisere Musik bot, aber auch gut besucht war.

Als Angebot für Kinder und junggebliebene gab es einen Bällepool und eine Kuschelecke. Die zum Missfallen einiger Teilnehmer auch als das benutzt wurde, was der Name sugeriert. Hacker sind also auch nur Menschen.

Alles in allem war es eine großartige Veranstaltung, mit einem sehr ausgewogenen und interessanten Programm an Vorträgen, die von einem Team bestehend aus Freiwilligen organisiert wurde. Da das CCH um einiges höhere Kosten als das Berliner Congess Center verursachte gab es die Möglichkeit Supporter-Tickets zu erwerben. Diese bringen dem selbst Käufer keinen Mehrnutzen unterstützen allerdings den CCC sehr bei der Deckung der Kosten. Trotzdem oder gerade deshalb wurden sie von mehr als einem Drittel der Besucher gekauft. Von diesem Gedanken des gemeinsam war das gesamte Event stark geprägt. Bis auf wenige Vorfälle herrschte durchwegs eine sehr positive Stimmung.

Abschließend bleibt mir nur noch der erneute Hinweis darauf, dass ein Großteil der Talks aufgezeichnet wurde und bereits zum Download bereit steht. Wie jedes Jahr werde ich dankbar davon gebrauch machen, da es leider nicht möglich ist die gleichzeitig ablaufenden Talks in allen Sälen zu besuchen.

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